Sermon Fortapelsson

ist eigentlich ein Architekt, der nebenberuflich zum einen auch Musiker ist und zum anderen seiner Faszination, vielleicht sogar Obsession für die Fotografie nachgeht. Was aber haben Häuser mit Fotos von Menschen oder misanthropischer, düsterer Gitarrenmusik gemein? Eigentlich sehr viel, aber einen Essay über den gemeinsamen Nenner in jedweder Art von Kunst und Ästhetik würde den Rahmen sprengen.

Der weithin bekannte Aphorismus mit dem einen Auge im Sucher und dem anderen tief in der Seele des Fotografen ist nun auch schon etwas überstrapaziert, nichtsdestotrotz bringt er den Antrieb hinter seiner kreativen Arbeit gut auf den Punkt. Sermons kreativer Hunger besteht aus der Faszination für das Abseitige, das Subtile, das Echte, ganz schnörkellos. Gern ist es auch mal die Provokation – Provokation durch Zeigen des Unperfekten und scheinbar Abwegigen in einer Welt, in der allzuviele Menschen bishin zur eigenen äußeren und inneren Farblosigkeit eingenommen sind von Standards, Idealen und dem Ziel, perfekt für andere sein zu wollen – und das traurigerweise für ihren eigenen, freien Willen halten.

Antrieb ist auch die Faszination für die Schönheit des Düsteren, dessen, was manche pervers oder krank nennen, weil sie es sich nicht zu denken gestatten oder trauen. So gibt es in seiner Welt nichts, das man nicht fotografieren kann, darf oder sollte.

Schönheit ist herstellbar, Emotionen passieren. Sobald sie passieren, entsteht auf beiden Seiten des Bildes eine Faszination – wie auch immer diese geartet sein mag. Das Spiel mit diesem Zauber ist der Fokus in Sermons Arbeit: den einen, nicht kalkulierbaren Moment einzufangen, den unser Auge in der Fülle der Reize und dem Fluss des Geschehens übersieht.

In seiner seit rund 14 Jahren währenden hauptberuflichen Arbeit als Freier Architekt ist Sermon konfrontiert mit der Suche nach Konzept, Perfektion und Ästhetik, mit Material und Haptik, mit dem Erfassen und Kreieren von Raum, geknüpft an oft profane technische und finanzielle Belange. So ist die Fotografie eine Art Rebellion und Aufschrei, manchmal auch besagte Provokation. Oft finden sich in seinen Bildern ganz bewusst gesetzte oder auch bewusst belassene, in der kontemporären, meist digital geprägten Fotografie als problemlos ausmerzbar angesehene Unperfektheiten. Ja, man könnte es Rebellion gegen die Perfektionssucht nennen, oder auch Festhalten dessen, was ist – nicht dessen, was wir in unserem eigentlich oberflächlich biederen Menschenbild gern sehen wollen. Manchmal sind die Motive dabei bewusst inszeniert, manchmal sind sie echt. Und manchmal, eigentlich meistens, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

 

Vita

1978
geboren in Zwickau, Sachsen

1985 – 1997
Schulbildung an diversen Bildungseinrichtungen, Abitur

1998 – 2004
Studium der Architektur an der Technischen Universität Dresden und der Westsächsischen Hochschule Zwickau, Diplom

2003
Einstieg in die semiprofessionelle Fotografie, schwerpunktmäßig Portrait, Akt, People. Seither nichtkommerzielle Fotoprojekte u.a. mit dem Mondstaubtheater Zwickau, Arbeit mit zahlreichen Models der nationalen und internationalen Independent-Fotoszene

2004
Gründung eines eigenen Architektur-, Design- und Grafikbüros

seit 2010
Nebenberufliche Arbeit als Freier Fotograf – Honoraraufträge für Hochzeiten, Events, Portrait-, Schwangeren-, Kinder- und Aktfotografie

seit 2012
Fotoreisen nach Norwegen, Island, Irland, Portugal

2016
Eröffnung eines eigenen Fotostudios in Zwickau

ab 2018
Arbeit als Theaterfotograf am Theater Plauen-Zwickau

 

Foto: Daniela Benzin